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Predigt in Erinnerung an Pfarrer Martin Luther King zum 50.Todestag am 04.04.2018

Erinnern und Gedenken

© Gottesdienst-Institut, Nürnberg

Erinnern und Gedenken

I have a dream - Ich habe einen Traum: zu Joel 3, 1-5

Liebe Gemeinde,

es war eine Sternstunde für die Menschheit, diese Rede, die Martin Luther King am 28.08.1963 in Washington, D.C. vor dem Lincoln Memorial hielt. Dabei sind die Bausteine dieser Rede sehr einfach: es ist die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und es sind Worte und Gedanken aus der Bibel. Beides verbunden mit der unnachahmlichen Wortgewalt eines Baptistenpredigers und dem unbeugsamen Willen, dass dies - mit Gottes Hilfe - nicht nur Worte bleiben dürfen. Eine Sternstunde!

In solchen Sternstunden fallen Mauern: Mauern zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Ost und West und einmal auch zwischen Nord und Süd und hoffentlich zuerst zwischen den großen Weltreligionen!

Eine Sternstunde für die Menschheit, was ist davon geblieben nach 50 Jahren?
Eines ist sicher: die Rassentrennung wurde auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens abgeschafft und die Gleichberechtigung in allen Bundesstaaten rechtlich verankert. Ein Farbiger konnte Präsident werden. Das ist bei allen Rückschlägen hoffentlich auch nicht mehr rückgängig zu machen. Aber die Mauer in den Köpfen ist geblieben. Nicht nur in den USA!

Auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Sklaverei und Rassentrennung haben sich nur ein wenig gebessert. Weltweit gesehen hat sich die wirtschaftliche Situation der Schwarzen sogar verschlechtert. Weil wir noch auf die soziale Sternstunde warten.
Und was ist mit Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung? Wird noch demonstriert, gekämpft, gerungen und gesungen - oder ist es nur noch ein Kapitel in unserem Gesangbuch?

Kann uns Martin Luther King heute noch ein Vor-Bild sein? Wir bräuchten ihn dringend, einen, der wagt zu träumen - und darüber hinaus mit seinem Leben dafür einsteht! Es geht ohne Gott in die Dunkelheit. Wir bräuchten dringend einen, der die Spannung von Traum und Utopie zur Wirklichkeit aushält und daraus wie Martin Luther King positive Energie entwickelt - Kraft, geistliche Kraft! Der uns in unserer bequemen Komfortzone weiß aufzurütteln! Zitat: "Diese Generation wird büßen müssen,  nicht nur wegen der Taten der Kinder der Finsternis, sondern auch wegen der Untätigkeit und der Apathie der Kinder des Lichts." (Die Herkunft dieses Zitats von Martin Luther King ist mir leider nicht bekannt).

Ja, die Kinder der Finsternis, ob das die Vorstände von Weltfirmen sind,  oder Lobbyisten in der Politik, korrupte Politiker oder Polizisten, Kriegstreiber - es sind immer die anderen! Aber Kinder des Lichts: damit meint Martin Luther King uns hier in dieser Gemeinde, in diesem Gottesdienst!

Richard von Weizsäcker hat gesagt: "Man kann in dieser Welt wie sie ist, nur dann weiterleben, wenn man zutiefst glaubt, dass sie nicht so bleibt, sondern werden wird, wie sie soll." (zitiert nach: "Lebensträume", Bibelarbeiten des EJW 1992).

Haben Sie noch Träume?
Träume, die nicht nur private Träume sind, sondern Träume von dieser Welt für die Menschen, die auf ihr leben. Wo jeder seinen Ort hat, an den er hingehört - auch die 60 Millionen auf der Flucht. Wo jeder genug hat zum Leben - auch die Milliarden in den Elendsquartieren dieser Welt, wo Kinder noch wie Fliegen sterben. Haben wir noch Träume wie die Propheten im Alten Testament, Träume, die der Prophet Joel vor 2500 Jahren angekündigt hat:

(So spricht Gott:) Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer haben Visionen. Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen. Und es wird geschehen: Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet. Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem gibt es Rettung, wie der Herr gesagt hat, und wen der Herr ruft, der wird (dem Tode) entrinnen. (Joel 3, 1.2+5)

Das sind Träume des Heils, der Rettung vor Vernichtung und Tod. Diese Träume kommen von Gott. Es sind nicht Träume von Einzelnen, vielleicht Träume von Wenigen - aber es sind gemeinsame Träume, die das Gesicht der Welt verändern. Sie tun dies, weil sie Generationen überspannen: Alt und Jung werden Träumen. Sie tun dies, weil sie über gesellschaftliche Grenzen gehen: Knechte und Mägde werden Gesichte und Visionen haben, nicht nur die feinen Herren (und Damen) in den Entwicklungsabteilungen und Vorstandsetagen unserer Konzerne.

Ich jedenfalls habe einen Traum. Einen Traum, den auch die Architekten unserer Gesellschaft hatten als sie nach Terrorherrschaft und Krieg das Grundgesetz mit den Worten begannen:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (Grundgesetz, Artikel 1).
Ich habe den Traum, dass dies in unserem Land wieder an erster Stelle steht - vor allem anderen, was wir denken und tun. Dass Flüchtlinge als Menschen gesehen werden, die nur eines wollen: Leben. Dass man nicht mehr Angst hat vor dem Fremden, sondern interessiert ist an Kultur und Wissen der anderen und ein erstauntes "oh" spricht, "das hätte ich nicht gedacht ..." Und das Wort "Migrationshintergrund" wird nur noch in Geschichtsbüchern stehen, da wir gelernt haben nach vorne zu sehen!

Ich habe einen Traum, dass man über Grenzen lacht, weil die nur im Kopf waren und die Balken vor den Augen, die man jetzt als Baumaterial verwenden kann, und, weil es nur die Angst war vor dem Unbekannten, und das man bei näherem Hinsehen merkt: ein Mensch ist ein Mensch, egal welche Hautfarbe und Religion er hat. Und Kirchen wird man mit Moscheen, Synagogen und Tempeln zusammenbauen, weil man gelernt hat: das Wichtigste ist, dass die Kinder im Hof miteinander spielen, weil sie alle Gottes Kinder sind und kindliches Spielen viel wichtiger ist als die Spiele der Erwachsenen um Anerkennung, Macht und Geld ...

Ich habe einen Traum, dass die Würde des Menschen geachtet wird, bei jeder Arbeit, dass die Pflegerin, die Zeit hat für den Menschen im Pflegeheim und ihn zärtlich berührt genauso gut bezahlt wird, wie der, der ein Auto repariert! Und dass die Schnäppchenjagd bei "H+M" oder "KiK" nicht mehr wichtig sein wird, weil wir erkannt haben: auch die Arbeit der Näherin in Bangladesh hat ihren Wert.

Ich habe den Traum, dass der Vorstand der Deutschen Bank genau so viel verdient wie die Erzieherin, die unsere Zukunft betreut und die Kinder vertraut macht mit dem großen Traum der Menschen: "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst." (Goldene Regel Matthäus 7,12; diese Grundregel vertreten alle große Religionen dieser Welt)

Ich habe einen Traum, dass der Mensch sich auf das konzentriert, was er braucht zum Leben: Arbeit, Bildung, Gesundheit, täglich Brot und eine Wohnung. "Heckler und Koch" werden Rohre produzieren durch die Wasser fließt; und der Bundeswehrsoldat wird mit dem Taliban in Afghanistan Bewässerungssysteme bauen, damit das Land grün wird und alle genug zu essen haben. Und große Zufriedenheit zieht über das Land wie ein warmer Frühlingsregen, der kostbare Pflänzchen wachsen lässt: Frieden und Gerechtigkeit. Und weil es die Gier nach Macht und Geld nicht mehr geben wird, brauchen wir von der Natur nur noch das zu nehmen, was wir wirklich brauchen - und statt von Wachstum bis an den Himmel mit gigantischen Windparks und ölverseuchten Meeren werden wir von Nachhaltigkeit sprechen und: es wird ein Versprechen sein für die junge Generation. Es wird sein wie ein Versprechen, das sich zwei Verliebte geben - ein Versprechen in der Gewissheit und Vertrautheit, wie es nur Gottes Kinder tun können.

Ich habe einen Traum. Und wenn meine Enkel mich fragen, wann wird das sein  - nehme ich sie auf den Schoß und singe ihnen das Lied vor: "The answer ist blowing in the wind". - Die Antwort weiß allein der Wind. Aber unser Wind ist nicht einfach nur Luft. Unser Wind ist der Geist Gottes, der dieser Welt wieder Leben einhaucht - nach all dem Leid, das sie erlebt hat!

Und deshalb schenken wir Ihnen die Karte. Darauf können Sie Ihre Träume schreiben und Ihren Kindern und Enkeln schenken, dass sie die Hoffnung nie verlieren in dem Leben, das so kostbar ist. Und wenn Sie die Karte im Pfarrhaus abgeben, werden wir Ihren Traum ins Internet stellen, damit wir unsere Gedanken teilen, mitteilen - so dass es jeder lesen kann:

Die Kinder des Lichts haben einen Traum. Und es ist Gottes Traum. Und deshalb hat er die Kraft die Welt zu verändern. Und es wird klingen wie ein Lied: "einsam bis du schwach, aber zusammen werden wir Boten des Lebendigen sein ..."

AMEN

Pfarrer Thomas Beck

Predigt am 08.04.2018 in Neulautern und Wüstenrot gehalten

 

 

 

Abgegebene Karten im Pfarrhaus Wüstenrot zur Predigt am 08.04.2018

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